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Köhler & Ziegler Anlagentechnik GmbH
Das Unternehmen:
• Köhler & Ziegler Anlagentechnik GmbH,
Firmensitz Lollar, gegründet 1982
• Branche: Anlagentechnik
• Produkte: Gasmotor-Blockheizkraftwerke für Bio-, Klär-
und Erdgasbetrieb von 30 kW bis 1.000 kW el. Leistung und zugehörige
Gasreinigungsanlagen, Wartung
• Belegschaft (2002): ca. 49 MA
• Umsatz: ca. 5,5 Mio. Euro
• Internet: www.koehler-ziegler.de
Das Projektteam:

Bedeutung des Wissenstransfers für
das Unternehmen
Die Fa. Köhler & Ziegler Anlagentechnik, GmbH, Lollar, ist Hersteller
von energietechnischen Anlagen, besonders von Gasmotor-Blockheizkraftwerken
(BHKW) für Bio-, Klär- und Erdgasbetrieb sowie zugehörige
Gasreinigungsanlagen (Entschwefelung, Siloxanentfernung). Sonderanlagen
und Systeme z. B. für Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung oder BHKW
mit Notstromfunktion werden vor Ort installiert und in Betrieb genommen.
Die Projektabwicklung reicht bis hin zu GU-Aufgaben. Für die ausgelieferten
Anlagen werden Wartungsverträge angeboten. Sämtliches Know-how
von Entwicklung über Produktion bis hin zum Betrieb in im eigenen
Haus vorhanden.
BHKW sind keine Produkte für Handelsvertreter! Zielsegmente für
den eigenen Vertrieb sind Landwirte, Biogasanlagenbauer, Kläranlagenbauer
und –betreiber sowie Contractoren. Das Erreichen dieser Segmente
und die Verbesserung der Kundenbindung sind Gegenstand permanenter Verbesserungsbestrebungen.
Als Chance des Wissensmanagements sieht die Fa. Köhler & Ziegler
die systematische Aufarbeitung und allen beteiligten Mitarbeitern zugängliche
Dokumentation des vorhandenen Daten-, Strukturen-, Methoden- und Prozesswissens
sowie das Erkennen und Bearbeiten neuer Herausforderungen, insbesondere
auch durch eine bessere Transparenz der vorhandenen und zukünftig
benötigten Kompetenzen.
Das Projekt „Know-how-Transfer“
und „Angebotsoptimierung“
1. Ausgangssituation
Zur Steigerung der Angebotseffizienz ist mittelfristig geplant, den grundlegenden
Prozess der Angebotserstellung klarer zu strukturieren und zu dokumentieren.
Kurzfristig muss das Daten-, Methoden- und Systemwissen von Know-how-Trägern
dokumentiert werden und den Nachfolgern zugänglich gemacht werden
(Wissensweitergabe über Mitarbeitergenerationen).
2. Zielsetzung
Nach einer eingehenden Selbstanalyse und Überlegungen im Zusammenhang
mit der erfolgten Zertifizierung gemäß DIN EN ISO 9001 und
DIN EN ISO 14001 wurden für das Wissensmanagement zwei Aufgabenkreise
identifiziert, aus denen heraus die jeweils nachstehend beschriebenen
Haupt-Ziele definiert worden sind. Auch Teilaufgaben bzw. Unter-Ziele
sind bereits entwickelt worden.
Ziel 1: Wissens- und Methodentransfer hinreichend frühzeitig
vor dem Ausscheiden von Know-how Trägern
Konkreter Fall:
Herr Köhler, der Mitbegründer der Firma und damit ein wichtiger
Know-how-Träger, geht Ende 2004 in den Ruhestand.
Herr Ziegler, geschäftsführender Gesellschafter, plant dies
für das nächste Jahrzehnt. Hier muss explizit die Nachfolge
geregelt werden.
Ziel 2: Steigerung der Angebotseffizienz
• Es soll eine Veranstaltungsreihe „Mitarbeiter lernen von
Mitarbeitern“ ins Leben gerufen werden, an der sich interessierte
Mitarbeiter sowohl aktiv als auch als Zuhörer beteiligen können.
Es werden mit relativ viel Aufwand viele Angebote erstellt. Die daraus
resultierende
Auftragsanzahl macht zu Projektbeginn allerdings nur ca. 5 % aus.
3. Vorgehensweise
Um das im Unternehmen vorhandene Wissen transparent zu machen und daraus
die entsprechenden Maßnahmen abzuleiten, wurden zu Beginn des Projekts
zwei Arbeitspakete in Angriff genommen. Einerseits wurden die Abteilungen
und darin die einzelnen Mitarbeiter des Unternehmens mit Hilfe der Kompetenz-
bzw. Qualifikationsmatrix bezüglich ihres Wissens und ihrer Kenntnisse
bewertet, um Schwachstellen und Wissensdefizite deutlich zu machen und
daraus Informations- und Schulungsbedarf abzuleiten.
Hier sehen Sie einen Auszug aus unserer Qualifikationsmatrix:

Andererseits wurde an der Dokumentenverwaltung gearbeitet. Mit Hilfe des
Windows Explorers wurde damit begonnen, sämtliche Ordner und Dateien
neu strukturiert zu ordnen und katalogisieren, da eine sinnvolle Dokumentenverwaltung
als wichtigstes Fundament verstanden wird, um andere Ziele im Wissensmanagement
zu erreichen.
Ziel 1: Wissens- und Methodentransfer hinreichend frühzeitig
vor dem Ausscheiden von Know-how-Trägern
Der Aufgabenkreis Wissens- und Methodentransfer hat
dieses Ziel gemeinsam mit anderen Teilnehmern des Wissensmanagements bearbeitet.
Es gibt Schnittmengen mit Ziel 2, (z. B. Unter-Ziele Ablagesystem, Datenbank
Mitbewerber, eigene Angebotselemente im Internet, Musterangebote,) die dort
beschrieben werden. Im Aufgabenkreis wurde erkannt, dass ein Parallellauf
von Stelleninhaber und Nachfolger z. B. aus Kostensicht nicht immer möglich
ist. Umso wichtiger ist es daher, das vorhandene Wissen sicher und verständlich
zu dokumentieren.
Um für den konkreten Fall des Ausscheidens von Herrn Köhler aus
dem Unternehmen gewappnet zu sein, wurde ein qualifizierter Hochschul-Praktikant
gewonnen, alle wichtigen Arbeitsvorgänge von Herrn Köhler mit
ihm zu besprechen und sie zu dokumentieren, um sie so für andere Mitarbeiter
verfügbar zu machen. Hier wird deutlich, dass dem persönlichen
Austausch immer noch sehr hohe Bedeutung zukommt. Dabei können auch
verschiedene Arbeitsmethodiken / Herangehensweisen ausgeglichen werden und
Unklarheiten sofort hinterfragt werden.
Ziel 2: Steigerung der Angebotseffizienz
Die Konzeption der Angebotsbearbeitung, die sowohl Erstellung als auch Kontrolle
beinhaltet, wird als permanenter Kreislauf verstanden. Ein Durchlauf besteht
aus folgenden herausgearbeiteten Phasen:
1. Istanalyse der Angebotserstellung
2. Gesamtbeschreibung der 1. Ebene der Angebotserstellung
3. Identifikation von Teilaufgaben / -zielen (Soll)
4. Priorisierung und Regelung von Verantwortlichkeiten
5. systematische Bearbeitung der Teilaufgaben (Unterziele) gemäß
Priorität
6. Dokumentation von erarbeiteten Daten, Strukturen, Methoden und Prozessen
und Kopplung mit den Rahmenvorgaben der DIN EN ISO 9001
7. Überprüfung und daraus folgende Entscheidungen zur Umsetzung
8. Festlegung des Zeitpunktes für die nächste Analyse mit dem
nächsten Durchlauf.
Um die Angebotseffizienz wirklich in der Praxis
zu steigern, wurde nach der Definition von Kennzahlen und
Zielsegmenten zur Erleichterung der Priorisierung und einer
Bestandsaufnahme der bisher versandten eigenen Angebotstexte erkannt, dass
die Priorisierung relativ ist. In Zeiten schwächerer Nachfrage ergeben
sich andere Kriterien als in Zeiten stärkerer Nachfrage guter und Arbeitsauslastung.
Die entsprechende Flexibilität bei der Angebotserstellung wird ebenfalls
vom persönlichen Austausch der Vertriebsmitarbeiter mit der Unternehmensleitung
geprägt.
Die Verbesserung der Dokumentenverwaltung soll nun auch helfen,
dass alle bei der Angebotserstellung beteiligten Mitarbeiter „mehr
von allem“ wissen und auf diesem Wege besser abschätzen können,
welches Wissen schon im Unternehmen vorhanden ist und nicht mehr neu erworben
werden muss. So kann Doppelarbeit vermieden werden.
4. Aktueller Stand
Die Beurteilung der Mitarbeiter mit Hilfe der Kompetenzmatrix
ist abgeschlossen, und im Dokumentenmanagement ist mittlerweile ein Großteil
der Ordner und Dateien katalogisiert worden. Eine neue Ablagestruktur
wurde geschaffen. Die Umstellung „alt“ auf „neu“
ist in der Umsetzung. Allen damit befassten Mitarbeitern wurde eine kurze
Auffrischung der Explorer-Möglichkeiten geboten, was wiederum selbst
zur Mitarbeiterentwicklung und Wissensteilung beiträgt. Der Wissenstransfer
zwischen Herrn Köhler und dem Ingenieurstudenten hat begonnen.
Die Angebotseffizienz konnte etwas gesteigert werden, von anfänglich
5% auf mittlerweile ca. 10%. Ein Fortschritt ist nur als quasi Zwischenziel
zu definieren, die Verbesserung der Angebotseffizienz ist ein permanenter
Vorgang. Das Erreichen einer 100% Trefferquote ist praktisch unmöglich.
5. Ausblick
In Zukunft soll weiter mit dem und am Dokumentenmanagement
gearbeitet werden. Anfang 2005 soll überprüft werden, ob die
Ablageorganisation über den Explorer ausreicht oder ob z. B. ein
professionelles revisionssicheres Werkzeug angeschafft werden soll. Die
Neuorganisation der Ablage wäre auch hierfür erforderlich und
ist daher auf jeden fall sinnvoll. Die Angebotseffizienz soll innerhalb
der nächsten zwei Jahre auf ca. 30% verbessert werden.
Das Wissensmanagement ist als Teil der Unternehmensphilosophie zu sehen.
In diesem Zusammenhang sollen demnächst als weitere Instrumente periodische
SWOT-Analysen (Stärken – Schwächen, Chancen – Risiken)
und spezielle Risiko-Analysen angewandt werden.
6. Konkreter Nutzen des Projekts
Das Projekt brachte bisher einen übergeordneten
Erfahrungsaustausch mit sich. Es ergaben sich einerseits Impulse, neue
Methoden zu testen, andererseits die Bestätigung, auf einem richtigen
Weg zu sein. Dadurch ergab sich ein stärkerer Antrieb zum Start und
zur zügigen Umsetzung.
Die neue Dokumentenstruktur vereinfacht die Suche nach Informationen,
reduziert Doppelarbeit und unterstützt die für die ISO-Zertifizierung
geforderte Prozessdokumentation. Mittelfristig wird eine weitere Steigerung
der Angebotstrefferquote erwartet. Nach Abschluss des „Debriefings“
von Herrn Köhler durch den Hochschulstudenten wird eine Dokumentation
wichtigen technischen Wissens systematisiert zur Verfügung stehen.
Die Erfahrung mit dem „Dokumentenmanagement mit Bordmitteln“
wurde bereits auf ein anderes Unternehmen übertragen, das mit Köhler
& Ziegler geschäftlich verbunden ist. Insofern strahlen die Ergebnisse
des Wissensmanagement-Pilotprojekts auf ein weiteres Unternehmen aus.
Checkliste
Angebotserstellung
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