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HEDRICH Vacuum Systems: "Mitarbeiter lernen von Mitarbeitern"
Das Unternehmen:
• Hedrich Vacuum Systems, Firmensitz Ehringshausen,
gegründet 1963
• Branche: Vakuum-Verfahrenstechnik
• Produkte: kundenspezifischen Anlagenkonzeptionen für die
Elektro-, Elektronik-, Automobil- und Chemische Industrie
• Belegschaft (Gruppe, 2002): ca. 150 MA
• Umsatz (Gruppe, 2002): ca. 20 Mio. €, davon Exportanteil
85%
• Niederlassungen in USA, China und Schweiz
• Internet: www.hedrich.com
Das Projektteam:

Bedeutung des Wissenstransfers für
das Unternehmen
Für ein Engineering Unternehmen wie Hedrich Vacuum Systems ist das
technische Know-how der Mitarbeiter von zentraler Bedeutung für den
Markterfolg. Um auch in Zukunft auf veränderte Markterfordernisse
reagieren zu können, ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des
Know-hows und ein stetiger Wissenstransfer zwischen Mitarbeitern unabdingbar.
Das Projekt
1. Ausgangssituation
Beim Ausscheiden von Mitarbeitern, insbesondere aus den Bereichen Projektierung,
Konstruktion, Montage und Inbetriebnahme, gibt es Probleme bei der Übertragung
und Verfügbarmachen des Wissens. Außerdem ist das für
das Unternehmen höchstwichtige Verfahrens-Know-how nur in wenigen
Köpfen konzentriert.
Projektspezifische Erfahrungen verbleiben fast grundsätzlich nur
bei den zuständigen Projekt-Beteiligten. Dies führt dazu, dass
manche Fehler immer wieder gemacht werden und Wissen nur dann weitergegeben
wird, wenn jemand direkt danach gefragt wird. Frust bei neuen Mitarbeitern,
Nacharbeit im Werk, lange Montagearbeiten, zusätzliche Kosten und
Ärger mit Kunden sind die Folge.
2. Zielsetzung
Allgemeine Ziele:
• Das Wissen und die Erfahrungen von älteren ausscheidenden
Mitarbeitern soll auf im Unternehmen verbleibende Mitarbeiter übertragen
werden und auch für neue Kollegen verfügbar gemacht werden.
• Kernkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter sollen systematisch
erfasst und Entwicklungspotentiale aufgedeckt werden.
• Es soll allen Mitarbeitern ermöglicht werden, systematisch
Verfahrens-Know-how zu sammeln und weiterzuentwickeln und es damit für
das gesamte Unternehmen nutzbar zu machen.
• Berichte und anlagenspezifische Erfahrungen sollen systematisch
erfasst werden.
• Mitarbeiter sollen angehalten werden, projektspezifische Erfahrungen
mit anderen Mitarbeitern zu teilen.
• Reklamationen sollen zuverlässig erfasst, bearbeitet und
behoben werden.
• Bewährte Bauteile und –gruppen sollen wieder verwandt,
ungeeignete Bauteile vermieden werden.
Projektspezifisch:
• Anlagenspezifische Informationen sollen anlagenspezifisch abgelegt
und bei Bedarf den zuständigen Personen schnell und unkompliziert
zur Verfügung gestellt werden.
• Erfahrungen aus Inbetriebnahmen und Beschwerden von Kunden sollten
zentral erfasst, bearbeitet und gelöst werden. Hierzu wäre es
sinnvoll, ein regelmäßiges Treffen mit den zuständigen
Personen zu installieren.
• Es soll ein Konzept zur regelmäßigen Mitarbeiterbeurteilung
erarbeitet und implementiert werden.
• Es soll eine Veranstaltungsreihe „Mitarbeiter lernen von
Mitarbeitern“ ins Leben gerufen werden, an der sich interessierte
Mitarbeiter sowohl aktiv als auch als Zuhörer beteiligen können.
• Die Mitarbeiter sollen über die wichtigsten Unternehmensdaten
regelmäßig informiert werden. Damit soll das Verständnis
für notwendige Entscheidungen der Unternehmensleitung verbessert
und die Identifikation der Mitarbeiter mit „ihrem“ Unternehmen
gestärkt werden.
3. Vorgehensweise
1. Anwendung des Kompetenzmatrix-Konzepts:
Unter Zuhilfenahme des Konzeptes der sog. Kompetenzmatrix wurde zunächst
als Ziel formuliert, für jede der in den einzelnen Abteilungen vorhandenen
Kernkompetenzen mindestens einen „Experten“ und einen „Könner“
zu haben sowie möglichst einen weiteren Mitarbeiter mit „Grundwissen“.
Hierzu werden mit Hilfe von Kompetenzmatrizen für jede Abteilung
Kernkompetenzen definiert und die einzelnen Mitarbeiter hinsichtlich dieser
Kernkompetenzen eingeschätzt. Auf diese Weise konnte die Kompetenzverteilung
innerhalb des Unternehmens bzw. der verschiedenen Abteilungen sichtbar
gemacht werden und es wurden Bereiche erkennbar, in denen Kompetenzen
einzelner Mitarbeiter in Zukunft ausgebaut werden müssen.
Hier sehen Sie einen Auszug aus unseren Kompetenzmatrizen:

In einem weiteren Schritt (seit Herbst 2003) wurden Maßnahmen festgelegt,
wie der entsprechende Wissenstransfer bewerkstelligt werden soll
2. Offene Informationsweitergabe
Die offene Weitergabe von Unternehmensinformationen an die Mitarbeiter
durch die Unternehmensleitung soll in Zukunft ebenfalls vorangetrieben
werden. Hierzu wurden Kennziffern festgelegt, die jedem Mitarbeiter in
Form von Schaubildern bzw. Statistiken monatlich aktualisiert bekannt
gegeben werden (seit Sommer 2003). Hierbei handelt es sich um Kennziffern
wie z.B. Umsatz, Art und Anzahl der aktuell abzuarbeitenden Projekte,
Produktivitätskennziffern, Überstundenstatistiken und Nacharbeit.
Hier sehen Sie einige Bespiele für unsere Infotafeln:

3. Mitarbeiter schulen Mitarbeiter
Zur Verbesserung des Informationsflusses im Unternehmen und um das im
Unternehmen vorhandene Wissen auf viele Schultern zu verteilen, wurde
eine Aktion „Mitarbeiter lernen von Mitarbeitern“ gestartet.
Bei dieser Aktion sind die Mitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten
oder Erfahrungen aufgerufen, diese an interessierte Kollegen weiterzugeben.
Gleichzeitig wurden die Mitarbeiter befragt, ob sie Interesse haben, über
bestimmte Dinge im Unternehmen etwas mehr zu wissen, als sie während
ihrer täglichen Arbeit gewöhnlich erfahren. Hier sehen Sie einen
Auszug aus dem Fragebogen:

Die Ergebnisse dieser Befragung sollen genutzt werden, eine Schulungs-
und Veranstaltungsreihe vorzubereiten.
An der Befragung nahmen 29 der 80 angeschriebenen Mitarbeiter teil, wobei
alle sich für die Aktion interessierten und 25 von ihnen sogar außerhalb
der regulären Arbeitszeiten mitarbeiten würden. 17 Mitarbeiter
wären bereit, auch aktiv wissen weiter zu geben. Bei der Frage nach
den eigenen Informationswünschen und -bedürfnissen wurde erkennbar,
dass Mitarbeiter sowohl über ihren eigenen Tätigkeitsbereich
als auch über die Aufgaben anderer Abteilungen mehr wissen möchten.
Mitarbeiter mit technischen Aufgaben bekunden Informationsbedarf zu kaufmännischen
Fragen und umgekehrt.
Sowohl der vollständige Fragebogen als auch die kompletten Ergebnisse
der Befragung sind als Anlage beigefügt.
4. Aktueller Stand
Das Konzept der Kompetenzmatrix wurde bisher mit den Abteilungsleitern
besprochen und für jede Abteilung durchgeführt. Mit Hilfe der
Ergebnisse der Kompetenzmatrix wurde überlegt, in welche Richtung
sich die einzelnen Mitarbeiter weiter entwickeln sollen.
Auch die offene Informationsweitergabe ist mittlerweile in der Form bei
Hedrich implementiert, dass jeden Monat wichtige Kennziffern für
alle Mitarbeiter veröffentlicht werden.
Im Projekt Mitarbeiter lernen von Mitarbeitern wurde ein Fragebogen entwickelt,
der von den Mitarbeitern beantwortet und inzwischen ausgewertet wurde.
Eine erste Pilotveranstaltung mit einer begrenzten Anzahl von Mitarbeitern
wurde im Herbst 2003 bereits durchgeführt. Ein detaillierter Veranstaltungskalender,
der den Informationserfordernissen und –wünschen der Mitarbeiter
Rechnung trägt, ist momentan in Vorbereitung.
.
5. Ausblick
In Zukunft sollen die Kompetenzmatrizen auf Abteilungsebene
mit den einzelnen Mitarbeitern diskutiert und ergänzt werden. Es
ist geplant, mit Hilfe dieses Instruments ein allgemein akzeptiertes Mitarbeiterbeurteilungssystem
aufzubauen.
Die Veranstaltungsreihe „Mitarbeiter lernen von Mitarbeitern“
soll zu einer ständigen Einrichtung weiterentwickelt werden.
6. Konkreter Nutzen des Projekts für Hedrich
Allgemein kann festgestellt werden, dass das Wissensmanagement-Projekt
bei allen Beteiligten sowohl auf Seiten der Geschäftsleitung als
auch bei den Mitarbeitern zu einer Sensibilisierung für Fragen der
Wissensweitegabe geführt hat. Es ergaben sich wichtige Anregungen
zur systematischen Aufarbeitung und Dokumentation des im Unternehmen vorhandenen
Know-hows.
Hinsichtlich vorhandener Kompetenzen der Mitarbeiter und deren Weiterentwicklungsmöglichkeiten
konnte eine größere Transparenz erreicht werden. Gleichzeitig
wurde in verschiedenen Fällen Weiterbildungs- und Schulungsbedarf
ermittelt.
Eine Verbesserung des Informationsflusses zwischen Unternehmensleitung
und Mitarbeitern und damit ein größeres Verständnis für
unternehmerische Entscheidungen und Maßnahmen gehört ebenfalls
zu den positiven Auswirkungen dieses Projektes
Anlage:
Fragebogen „Mitarbeiter lernen von Mitarbeitern“
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